Elektrische Massagesitze

So spektakulär Massagesitze in Nicht-Oberklasse Autos sind, so ist es doch recht einfach welche zu bauen. Man muss das Rad ja nicht neu erfinden, denn es gibt ja bereits Massagematten für Autos zum Auflegen auf den Sitzen. Genau solche Matten habe ich einfach in meine Sitze eingebaut und die Steuerelektronik in die Sitzkonsole integriert. Über Sinn und Unsinn eines Massagesitzes könnte man sich streiten, aber ich finde es einfach nur genial, wenn man mal abgespannt eine längere Strecke fahren muss.

Diese Matten bestehen im Inneren aus 5-6 einzeln abgekapselten Vibrationsmotoren, wie beim Handy, nur ein bissl größer. Die Ansteuerungselektronik, die ja nativ schon für den 12V Zigarettenanzünder ausgelegt ist, besteht bei mir aus einem einfachen an-aus Schalter und 4 Schiebereglern. 3 Schieberegler steuern jeweils 2 Motoren für Oberschenkel, oberer und unterer Rücken. Der vierte Regler steuert die Schnelligkeit bzw. die Intensität aller Motoren. Auf dem Markt gibt es viele dieser Matten, die eine wahre Programvielfalt mit vielen vielen Tasten haben. Ich habe aber bewusst diese einfache Version gewählt, um die Anzahl der Schalter an meinem Sitz gering zu halten.

Zuerst habe ich die Plastikverkleidung rund um meine Sitzkonsole ausgebaut und einen Platz dahinter für die Platine ausgespäht. Schließlich sollen die zusätzlichen Knöpfe hinterher mit keinem anderen Griff oder Hebel des Sitzes kollidieren. Beim Golf IV/Bora, als auch bei vielen anderen VW und Audi Modellen ist zwischen dieser Verkleidung und der Sitzkonsole aus Metall gerade genug Platz um die innere Platine der Steuereinheit aufzunehmen. Die Schieberegler habe ich schwarz lackiert und den Power-Schalter gegen einen beleuchteten getauscht. Die Öffnungen für die Schiebeschalter habe ich mit dem alten Gehäuse als Schablone angezeichnet und dann mit einem Dremel ausgefräst. Die Platine wird von hinten an der Verkleidung einfach angeklebt und zum Schutz der Kontakte noch einmal mit Klebeband abgeklebt. Bei der Montage der Sitzverkleidung sollte man aber vorsichtig sein, da diese recht weich und biegsam ist, da sich ansonsten die Klebepunkte wieder lösen könnten. Sobald sie montiert ist, ist sie keinen so großen mechanischen Spannungen mehr ausgesetzt, als das sich die Platine wieder lösen könnte.

Nun zu den Massagemotoren. Die Matte besteht hauptsächlich aus einem Schaumstoffkern, in den die schon angesprochenen Motoren eingeklebt sind. Darüber ist dann noch ein Stück Stoff geklebt, der eine Heizspirale mit integriertem Sitzschalter eingenäht hat. Die Heizleistung ist eher lächerlich und der Schalter dient nur der Abschaltung der Heizung, falls niemand auf der Matte sitzt. Diese Heizmatte habe ich einfach entfernt und abgeknipst, da ich bei dieser Aktion ohnehin eine originale Sitzheizung nachgerüstet habe. Eigentlich habe ich alles andere auch entfernt, da wir nur die Vibrationsmotoren mit ihrem kleinen Plastikgehäuse brauchen, sonst nichts.

Jetzt kommt der fieseste Teil, der Sitz muss raus und abgezogen werden. Ich habe meinen wirklich komplett ausgebaut und ins Wohnzimmer geschleppt, da hat man dann Platz zum Arbeiten. Wie man ihn ausbaut, kannst du in meiner Anleitung zum Beseitigen des nervigen Sitzknackens nachlesen. Natürlich müssen auch alle vorhandenen Leitungen abgesteckt werden, inklusive des Seitenairbags. Ich glaube, es ist unnötig hier zu sagen, dass dabei Vorsicht geboten ist. Der Stecker und die Zuleitung sollte nicht mit statischer Aufladung in Berührung kommen. Ein Airbag ist aber auch kein Mysterium, wenn man ein paar Sicherheitsregeln beachtet. Vorher Batterie abklemmen, 10 Minuten warten und Zündung zur restlosen Entladung einschalten (passiert natürlich nichts). Nach deutschem Sprengstoffgesetz muss jemand, der mit Airbags und Gurtstraffern hantiert, eine spezielle Schulung absolviert haben. Wers also nicht kann, sollte die Finger davon lassen.

Bei der Sitzversion aus den 4-Türern muss als erstes die Rückenlehne von der Sitzfläche getrennt werden. Dazu muss man unter den Plastikverkleidungen an den Seiten jeweils 2 Vielzahn-Schrauben in Höhe des Gurtschlosses entfernen. Die andere Sitzversion hat ja den Klappmechanismus, da reicht es wenn man die Lehne einfach nach vorne klappt. Die Sitzfläche lässt sich am einfachsten abziehen: Von hinten ist der Bezugstoff mit einer Plastikschiene vernäht, die hinter die Metallkante des Sitzgestells gestülpt ist. Wenn mal also den Stoff an der Hinterseite beherzt nach unten zieht, so kann man diese Schiene aushaken. Jetzt kann man den Bezug schon ein ganzes Stück abziehen, jedoch nur bis zu dem Punkt, an dem die ersten Nähte auftauchen. Hier ist von hinten eine Schlaufe eingenäht, durch die ein Stück dicker Stahldraht verläuft. Den Bezug so weit wie möglich auf Links halten und mit einer starken Zange und viel Kraft versuchen den Stahldraht an einem der beiden Enden auszuhaken. Bei der Rückenlehne funktioniert das ganz genauso: Unten hinten ist wieder so eine Plastikschiene die man kräftig nach unten ziehen muss. Dann den Bezug Stück für Stück nach oben stülpen und dabei alle Stahldrähte an Rück- und Vorderteil aushaken. Die Kopfstütze muss natürlich vorher rausgezogen werden, die Plastikschienen können aber drin bleiben. Sobald man den Bezug bis zur Kopfstütze gekrämpelt hat, kann man den Stoff ganz einfach um diese Schienen herum ziehen.

Jetzt sollte man seinen Sitz komplett nackig vor sich haben. An den Stellen, wo man später seine Vibrationsmotoren haben möchte muss man nun mit einem Teppichmesser kleine Würfel aus dem Schaumstoff schneiden, die so groß sind, dass die Motoren gut hinein passen und noch etwas tiefer liegen als die Oberkante. Bei dem entfernten Schaumstoffwürfel schneidest du noch ein Stück vom Deckel ab, sodass du mit diesem kleinen Stück das Loch wieder verschließen kannst. Jetzt liegt der Motor praktisch kurz über der Oberfläche, ist fast nicht zu sehen und das Wichtigste: nicht zu spüren. Das Kabel kann man ganz einfach verlegen, indem man einen kleinen Schnitt mit dem Messer macht und es in den Spalt stopft. In der Rückenlehne muss man die Motoren allerdings von hinten in die Metallverstrebungen bauen, da der Schaumstoff viel zu dünn ist. Ich habe meine 3 Motoren jeweils oben und unten links/rechts am Gestänge der Lordosenstütze mit Kabelbindern festgemacht. Mehrfaches Probesitzen ist unerlässlich, wenn man nicht hinterher im Sitz irgendwelche störenden Knubbel haben möchte.

Wenn man alle Motoren verlegt hat, sollte man die Kabel alle in Richtung  der Verbindung von Sitz und Rückenlehne verlegen und dann auf einer der beiden Seiten herausführen. Wenn man so wie ich dann noch eine Sitzheizung nachrüstet, so sieht man ja, wo die original Kabel entlang laufen und kann dann alle zusammen verlegen. Eventuell müssen die Kabel der Motoren hier und da verlängert werden, wenn es zu stramm wird.
Das wars dann eigentlich auch schon. Der Bezug wird wieder in umgekehrter Reihenfolge aufgezogen.



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