Einspritzdüsen reinigen am Beispiel des 1.8T

Solange die Einspritzdüsen ihren Dienst tun, vergisst man gerne, dass man welche hat. Aber diese kleinen Wunderwerke haben einen ganz wesentlichen Einfluss auf den Motorlauf. Nachdem ich meine Düsen gereinigt hatte, lief mein Motor im Standgas ruhiger, ohne zu zuckeln und auch das Anspringverhalten hat sich deutlich verbessert. Ich habe vorher so viele andere Quellen ausgeschlossen und war ziemlich überrascht über das Ergebnis. Eigentlich hätte ich mir das ja denken könne, so wie die Düsen alleine von außen schon aussehen. Sie sind oben und unten jeweils mit einem Dichtungsring eingesteckt. Wenn diese Ringe undicht werden, tritt minimal Sprit an der Ansaugbrücke aus, was über die Zeit den Dreck zum Bleiben überredet. So wie hier auf dem Bild sah das bei meinem TT nach 11 Jahren und 120tkm vor der Reinigung aus. Nebenbei sei bemerkt, dass das bei allen 1.8 Turbo Motoren gerne passiert. Aber auch so manchem Saugmotor habe ich damit schon das Leben verlängert.

Die Sache ist recht zeitaufwändig, wenn man denn sorgsam arbeiten will. Zuerst muss man sich neue Dichtungen besorgen, denn die sollte man bei der Gelegenheit auch erneuern. An dieser Stelle sei gesagt, dass ich es eine bodenlose Frechheit von Audi finde, für 2×4 Dichtungsringe geschmeidige 35 Euro zu verlangen. Ich glaub es hackt!! Aber was will man machen, im Hornbach gibt’s die Dinger nicht.

Und so geht’s: Motor abkühlen lassen (ist echt angenehmer), Motorabdeckung runter und die Stecker von den Einspritzdüsen abziehen. Dann die Kabelleiste abziehen und etwas entwirren. Zur Entlastung kann man auf der linken Seite noch zwei Stecker vom Kurbelwellensensor und dem Temperatursensor der Ansaugbrücke abstecken. Darunter verbergen sich dann zwei Inbusschrauben, die raus müssen. Nun muss man beherzt an der ganzen Einspritzleiste ziehen, bis alle Düsen ausgerastet sind, sie bleiben dabei in der Leiste stecken. Nun kann man die einzelnen Düsen aus der Einspritzleiste ziehen, wenn man zuvor die kleinen Metallclipse am oberen Ende der Düse seitlich herauszieht. An dieser Stelle empfehle ernsthaft das Tragen einer Schutzbrille. Denn beim Abziehen der ersten Düse wird der restliche Sprit nach dem Benzindruckregler mit 3 bar schlagartig frei gesetzt. Benzin im Auge ist nicht lustig, ich weiss das :-/ Danach läuft noch eine kleine Menge Sprit heraus, das ist der Rest aus der Leitung.

Bevor man nun zur Reinigung der Düsen über geht, sollte man noch schnell die Löcher an der Ansaugbrücke putzen. Das geht ganz gut mit einer kleinen Drahtbürste und Pressluft. Damit dabei nicht so viel von dem Dreck in die offene Ansaugbrücke fällt, habe ich einen Edding in das Loch gesteckt. Irgendetwas anderes, was die passende Größe hat, geht natürlich auch. Auch das Innere dieses Loches sollte man mit einem Tuch gut durchwischen, denn dort muss die neue Dichtung später eine gute Dichtfläche haben.

Nun zu den Einspritzdüsen: Man braucht dazu ein Ultraschallreinigungsgerät, wie man es für Schmuck verwendet. Die Reinigung kann man mit normalem Wasser und Kukident Tabletten für dritte Zähne und Zahnspangen machen. Die sind genau richtig und greifen Kunststoff, Edelstahl und Keramik nicht an, denn genau diese Materialien findet man in Einspritzdüsen. Um eine Reinigung bis ins tiefe Innere zu erzielen, muss man die Düsen während der Reinigung mehrfach betätigen. Dazu muss man sich den passenden Stecker (Bosch EV1) besorgen und ihn an ein 9-12V Netzteil mit mindestens 1000mA anschließen. In die Leitung habe ich noch einen kleinen Taster gebaut, um in regelmäßigen Abständen die Düse auszulösen. Dabei hört man ein lautes knacken von der Düse, was gut als Bestätigung ist. Die Polung für den Stecker kann man ganz gut auf dem Foto erkennen. Das braune Kabel ist Masse, das schwarze ist Plus. Das ist jedenfalls die Polung für Audi, VW und andere Modelle aus dem Volkswagen-Konzern. Wenn du dir nicht sicher bist, frage lieber beim Händler deines Vertrauens, oder messe es an deinem Auto aus. Nun die Düsen grob mit einer Bürste reinigen, um die Reinigungsflüssigkeit nicht unnötig zu verdrecken und vorher die alten Dichtungsringe abziehen. Dann eine Düse nach der anderen für jeweils 3 mal 3 Minuten in das Ultraschallbad legen und dabei 30 bis 40 mal pro Düse auf den Taster drücken. Ich weiß, das ist nervig, aber nötig.

Wenn du mit allen Düsen durch bist, alles schön abtrocknen und wenn möglich mit Pressluft ausblasen. Nun die neuen Dichtungsringe aufziehen und in umgekehrter Reihenfolge wieder ins Auto einbauen. Achte ab nun peinlich genau darauf, dass kein Fitzelchen Dreck mehr in die Einlassseite der Düsen kommt (Hände waschen!). Ein kleines Sandkorn reicht schon, um die feinen Düsen zu verstopfen. Mit den neuen Dichtungen muss man nun ein klein wenig mehr Kraft aufwenden, um die Düsen einzustecken. Aber mit ein bisschen Drehen und sanfter Gewalt sollte das machbar sein. Vergewisser dich vorher, ob du auch die Stecker vom Temperatur- und Kurbelwellensensor wieder aufgesteckt hast. Mein Auto sprang danach schlagartig super an, es kann jedoch sein, dass du etwas länger orgeln musst, bis alle Luft aus den Leitungen gepumpt wurde. Das kann locker 5 Minuten dauern, danach sollte der Leerlauf aber seidenweich sein.



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Ein Kommentar

1.  Mike schrieb am 24. April 2013 um 09:47

vielen Dank für den Beitrag.
Noch ein paar Tips da ich das gestern gemacht habe:
Die teuren Dichtungen bekommt man über fast alle Marken wenn man die richtige Nummer hat. Preisdifferenz des exakt gleichen Artikels bis zu 300%.
Beim Ausbau sind alle oberen Dichtungen in der Einspritzleiste hängen geblieben. Diese mussten von Hand (mit weichem Werkzeug) rausgeholt werden.
Zum finalen Test der Düsen eine handelsübliche Spritze (ohne Nadel!) mit Benzin aufziehen und mit Druck auf den Einlass pressen (Achtung, Plastik-Spritzen sind nicht Benzin-fest, also schnell arbeiten). Beim gleichzeitigen elektrischen Ventiltest (durch einen Helfer oder mit Fussschalter) sieht man schön die Zerstäubung und ob alle Öffnungen frei sind. Damit ist dann das Ventil mit Benzin geflutet, die Funktion mechanisch und elektrisch getestet.
Mit etwas Benzin auf die Dichtungen als Gleitmittel flutscht es deutlich besser beim Zusammenbau an seinen Ursprungsort zurück.

Anm.: In diversen Reperatursets (Dichtungen) sieht man das vermutlich im oberen Teil der Einspritzdüse noch ein feines Sieb eingebaut ist, das rausnehmbar ist. Da ich keine Ersatzdüse hatte, habe ich mich nicht getraut am oberen Haltering vertikal zu ziehen obwohl dieser schon horizontal beweglich war. Vielleicht ist er auch mechanisch verpresst.
Jedenfalls macht es Sinn sich gedanken zu machen im Rahmen einer solchen Renigung im VORLAUF ggf. noch den Benzinfilter zu wechseln.

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