ESP Querbeschleunigungssensor G200 reparieren

Auch mich hat irgendwann das Los des kaputten G200-Sensors ereilt, der so ziemlich bei alles Autos des Baujahres 99 bis 2006 kaputt geht. Sowohl bei meinem Bora, erst recht beim Golf IV, gerne beim Audi A3 und sogar bei einem Smart habe ich schon einen repariert. Denn der Fehler ist recht trivial: Da ist nur ein kleiner Chip, der die Querbeschleunigungskräfte misst, dessen Lötstellen sich mit der Zeit los wackeln. Einziges Problem ist nur, dass das kleine Kästchen mit Harz vergossen ist.


Wenn also auch bei dir sich die ESP Leuchte meldet und einer der folgenden Fehler im Steuergerät vorhanden ist, dann solltest du weiter lesen.
Querbeschleunigungssensor – G200 Elektrische Fehler im Stromkreis
Querbeschleunigungssensor – G200 unplausibles Signal  
Querbeschleunigungssensor – G200 kein Signal
Querbeschleunigungssensor – G200 defekt

Bei mir (und auch beim Golf IV) befand sich der Sensor rechts unten an der Lenksäule unter der Lenkradverkleidung und ist zusammen mit dem etwas größeren Drehratensensor auf ein Winkelblech geschraubt. In späteren Baujahren sind diese beiden Sensoren in ein Steuergerät zusammengefasst, diese Anleitung bezieht sich jedoch auf den Einzelsensor. Die Unterbringung ist recht unterschiedlich, denn beim Smart hängt er z.B. am Unterboden. Wenn du ihn also gefunden hast, Stecker ab und abschrauben. Aus dem Winkelblech lässt er sich mit einem flachen Schraubenzieher einfach ausklipsen, dabei dient die eine Hälfte des Bleches als Verriegelung.

Nun beginnt die eigentliche Arbeit, denn das Teil ist mit schwarzem Kunstharz vergossen. Da helfen auch keine Tricks, nur ein Schraubenzieher und viel Geduld. Die Platine, die sich darunter verbirgt, ist recht simpel aufgebaut und hat nur ein paar Widerstände mit dem Chip auf der Unterseite. Man kann also recht beherzt mit dem Schraubenzieher das schwarze Zeug herauskratzen, ohne was zu beschädigen. Statt des Schraubenziehers kann man auch etwas aus Plastik nehmen, das ist vielleicht schonender für die Elektrik. Die nächste Hürde ist, dass die Platine im Gehäuse an drei Stiften festgeklipst ist und zusätzlich mit dieser schwarzen Masse festbetoniert ist. Wie ich die Platine da rausbekommen habe kann ich schlecht beschreiben aber ein Tipp: mit einem Stahlhaken seitlich unter die Platine fahren und ganz gegen den Gehäuseboden drücken und die Pampe lösen. Gleichzeitig sollte man die Platinen Anschlüsse ablöten (drei Pins direkt am Stecker). Nach endlosem Frickeln kann man dann die Platine raus würgen. Erstaunlicherweise blieb bei mir gleich der Chip im Gehäuse stecken – wohl echt schlechte Lötstellen. Nun den Chip heraus operieren und sich die Position merken. Auf der Oberseite ist ein kleiner Punkt zu sehen, dieser muss in Richtung der drei Pins für den Stecker zeigen. Dann einfach wieder auf die Platine auflegen und sorgfältig wieder anlöten. Nachdem man das Ganze nun wieder in das Gehäuse gesteckt hat und die drei Steckerpins angelötet hat, musst du das Gehäuse nur wieder vergießen. Eine gute Portion Heißkleber reicht dafür völlig aus, allerdings würde ich beim Sensor für den Smart, der ja am Unterboden gewissen Einflüssen ausgesetzt ist, eher Silikon nehmen, damit es auch ja Wasserdicht ist. Nun wieder in umgekehrter Reihenfolge wieder ins Auto schrauben und alle Fehler im Steuergerät löschen. In Messwertgruppe 4 des ABS Steuergerätes kann man mit entsprechender Diagnosesoftware den Sensor kontrollieren. Dort wird die Querbeschleunigung direkt ausgegeben, wenn man am Auto kräftig wackelt. Sollte sich auf ebener Fläche hier eine Abweichung des Grundwertes „0“ von mehr als ± 2 bis 3° ergeben, so muss der Sensor unter Grundeinstellungen neu kalibriert werden. Wer sich nun freut, wieder 170 Euro gespart zu haben, darf mir gerne dafür einen Kasten Bier schicken ;-)


Haftungsausschluss: Ich übernehme keinerlei Verantwortung für auftretende Schäden oder Folgeschäden bei der Anwendung und Nutzung meiner Anleitungen. Alle Angaben sind ohne Gewähr. Außerdem obliegt jedem Leser die Prüfung der rechtlichen Zulassung in seinem Land, das gilt insbesondere für TÜV-Freigaben von baulichen Veränderungen an Fahrzeugen und Einbau von Zubehör. Meine Artikel sind nichts weiter als eine Art Machbarkeitsstudie zu verstehen. Jeder Leser hat vorher selbst die Durchführbarkeit zu überprüfen.




2 Kommentare

1. Daniel schrieb am 15. Januar 2012 um 13:28

Danke für die super Anleitung.

Eine Frage hätte ich.

Mir sind beim Ausbau 2 Sachen abgebrochen und der Chip hat ein paar Kratzer abbekommen.

Sind die abgebrochenen Teile wichtig? Wenn ja, kann ich es trotzdem reparieren, bzw. was sind das für Teile?

Hier ein Bild von meinem Sensor:

http://img4.fotos-hochladen.net/uploads/41300210150574dsiqavxnpj.jpg

2. Nico schrieb am 21. Februar 2012 um 09:18

Autsch! Das sieht nicht gut aus. Das kann man aber noch reparieren. Der Kratzer am chip macht nichts, das halten die schon aus. Im Zweifelsfall geht der Sensor einfach nicht und du hast einen nicht-löschbaren fehler im Steuergerät, bis du wieder einen funktionierenden Sensor anschließt. Die 2 (eigentlich 3!) weißen Blöcke sind Kondensatoren und können einfach gegen andere ersetzt werden, brauchst ja auch keine SMD Teile verwenden. Das Problem ist nur, ich weiss nicht welche Kapazität die haben. Mein Sensor ist naürlich schon wieder eingegossen und eingebaut und kann es somit nicht ausmessen. Ich gehe aber davon aus, dass alle drei gleich sind. Die beiden linken funktionieren wohl nicht mehr: Der eine fehlt und der andere ist abgeplatzt. Du kannst aber den einen verbliebenen und augenscheinlich funktionstüchtigen Kondensator ausmessen. Dazu brauchst du ein Multimeter mit Funktion für Kondensatoren. Wenn du den Wert weißt, kanst du 2 nachkaufen und einlöten. Vielleicht ist auch einer von den Mitlesenden so nett und schreibt dir den Wert hier kurz hin. Viel Glück!

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